typographische
zitate
Sprache wird durch Schrift erst schön.
Erik Spiekermann

Typographische
Gesellschaft
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Buchbesprechung

Archigrafie

Rudolf Paulus Gorbach
8. September 2016
Wenn Gebäude beschriftet werden, findet im besten Fall eine Zusam­me­n­arbeit zwischen Typo­grafen und Archi­tekten statt. Beschriften ist viel­leicht zu wenig gesagt, denn inzwischen hat sich die Schrift am und im Bau erheblich erweitert, ja ist oft ein ganz domi­nie­render Aspekt des Bauwerks. Man spricht heute von Archi­graphie.

Dieses Buch ist das Ergebnis der Zusam­me­n­arbeit zwischen Agnes Laube, einer heraus­ra­genden Schweizer Grafikerin, und Michael Widrig, Professor für Archi­tektur. Und so erläutert der Text immer wieder die Anliegen beider Seiten.

Eine kurze – gut illus­trierte – Geschichte der Archi­grafie beginnt mit der Diffa­mierung des Ornaments durch Adolf Loos, geht auf hand­werkliche Aspekte ein und würdigt den »Swiss Style« in seiner Beschrif­tungs­thematik. Was Signaletik für eine ziel­führende Wegführung bedeutet, aber auch das Gegenteil, was vom verspielten Las Vegas gelernt werden kann und schließlich, was Beschrif­tungs­kultur im 21. Der diffe­ren­zierte Kontrast zwischen Selbst- und Fremd­werbung wird in diesem Zusam­menhang skizziert.

Der Hauptteil des Buches stellt 28 Projekte vor, für die Archi­tektur und Archi­grafie hervor­ragend zusam­men­passen. Bekannte und weniger bekannte Objekte wie der Neubau des Kunst­museums Basel, das neue Wallraf-Richartz-Museum in Köln, das Toni-Areal in Zürich und das RBC-Center in Mont­pellier sowie die Bibliothek Cottbus werden nur als Beispiele genannt. Die einzelnen Beschrei­bungen gehen auf städ­te­bauliche Aspekte ein, beschreiben den Bau selbst und vor allem die Art und Weise der Anwendung von Typo­grafie am Gebäude und dessen Inte­gration.

Im Anhang geht es um den Wandel der Technik bei Gebäu­de­be­schrif­tungen. Die verschiedenen Techniken – von Meißeln bis zu LED-Fassaden – werden darge­stellt, und es gibt schließlich auch Hinweise für den Prozess solcher Arbeiten, die an einem Projekt beteiligt sind.

Die Ästhetik und das Design des Buches sind im perfekten »Swiss Style« gehalten, klar und unauf­geregt. Lediglich die fast erdrü­ckenden Versal-Über­schriften fallen auf.

Agnes Laube, Michael Widrig
Archi­grafie
Schrift am Bau

168 Seiten
220 × 280 mm
Klappen-Broschur
Birk­häuser Verlag, Basel 2016
ISBN 978–3–0356–0567–9
49,95 Euro

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Stefan Behling vom Büro Norman Foster – © Michael Bundscherer - flickr.com